© Björn Besau

Kiten im Winter

  • Aktiv
Björn Februar 2020

 

 

Für mich ist Kitesurfen mehr als ein Sport. Es ist ein besonderes Lebensgefühl und die für mich beste Möglichkeit einfach mal abzuschalten. Auf Fehmarn kann ich das ganze Jahr über bei Wind und Wetter meine sieben Sachen packen und ans Meer fahren. Schnell den Kite aufbauen und ab ins Wasser. Was gibt es Schöneres, als an einem strahlend schönen Tag beinahe lautlos, nur von der Kraft der Elemente angetrieben übers Meer zu gleiten?

Auch im Winter gibt es diese besonderen Tage, die viele Kitesurfer mit enorm viel Vorfreude erwarten. Es sind die Tage, an denen Strandspaziergänger ungläubig zu mir kommen und mich fragen, ob es nicht zu kalt ist zum kiten. Oder wie warm es genau in so einem Neoprenanzug ist. Oder warum ich mir das überhaupt bei so einem kalten Wetter antue.

Ganz einfach - weil ich es liebe.

Die Ausrüstung

Kitesurfen funktioniert gerade im Winter nur mit der richtigen Ausrüstung. Im Sommer reicht eine Badehose oder ein Shorty aus, um sich in die Fluten zu stürzen. Im Winter muss man deutlich mehr auf sich achten und die Ausrüstung den Wind- und Wetterverhältnissen anpassen.

So gehören im Winter

  • ein dicker Neoprenanzug

  • Neoprenschuhe

  • Neoprenmütze

  • Neoprenhandschuhe

  • Neoprenjacke, bestenfalls mit Kapuze

ins Repertoire eines jeden Kiters.

Insbesondere der Kopf sowie Hände und Füße können gar nicht gut genug vor Kälte und Wind geschützt sein. Dort droht der größte Wärmeverlust. Den Körper warm zu halten hat oberste Priorität – ansonsten ist im Winter jede Kite-Session nach wenigen Minuten vorbei. Zu meiner Ausrüstung gehört daher auch immer eine Thermoskanne Kaffee, die ich mit an den Strand nehme.

Auch was das Kitematerial anbelangt, gibt es einige Unterschiede im Vergleich zum Sommer. Da der Wind im Winter nicht nur stärker, sondern in vielen Fällen auch deutlich böiger ist, kommen vermehrt kleinere Kitegrößen zum Einsatz. Ich benutze einen meiner kleineren Kiteschirme nahezu ausnahmslos in den Wintermonaten. Dementsprechend gut kontrolliere ich diesen, ebenso wie die Leinen meiner Bar, vor Gebrauch. Materialprobleme können das ganze Jahr über auftreten - im Winter ist es aber deutlich weniger angenehm im dann eiskalten Wasser zu landen. Falls bei einer solchen Kontrolle eures Materials erste Problemstellen auffallen, schaut bei Windsport in Burg vorbei. Dort erwartet euch ganzjährig (im Winter Mo-Sa 11-17 Uhr) kompetente Beratung und Hilfe und im Notfall auch ein wenig Leihmaterial, falls das eigene doch kurz vor der Session den Geist aufgibt oder der Wind eine andere Schirmgröße erfordert.

Warum tut sich ein Kitesurfer das also alles an? Es ist kalt, der Wind ist oftmals unberechenbar und man sieht weniger aus wie ein durchtrainierter Kitesurfer auf dem Cover eines Hochglanzmagazins, sondern eher wie eine nasse Robbe im Regenmantel. Ganz einfach – das Gefühl von Freiheit.

Die große Freiheit

So schön Kitesurfen im Sommer auch ist, umso schöner ist es meiner Meinung nach im Winter. Leere Strände, leere Spots und keinerlei Ablenkung. Im Winter gibt es nur mich und das Meer und ich kann mich nach Herzenslust auf dem Wasser austoben. Ich fahre so lange bis mein Kopf so klar ist wie die Luft, die mich umgibt. Oder bis meine Finger einfach keine Kraft mehr haben um die Bar auch nur eine Minute länger festzuhalten. Mit mir auf dem Wasser sind von Jahr zu Jahr mehr Gleichgesinnte, die wissen wie unglaublich wertvoll Tage wie diese sind. Tage an denen so viel Wind herrscht, dass sich sogar in der Ostsee meterhohe Wellen auftürmen und sich unaufhaltsam ihren Weg an den Strand bahnen. Tage an denen man die Möglichkeit hat, sich in ungeahnte Höhen zu katapultieren oder mit so viel Tempo über das Wasser zu gleiten, dass selbst die Möwen nicht folgen können.

Unter jeder tief sitzenden Kapuze verbirgt sich ein breites Grinsen und jeder fährt nach der Session mit einem beinah unbeschreiblichen Glücksgefühl in der Magengegend nach Hause. Und das, obwohl sich zunächst ein jeder minutenlang aus seinen eiskalten Neoprensachen herausquälen muss.

Fehmarns Winterkitespots

Kitesurfer im Winter haben die freie Auswahl. Wenn inselweit die Badezonen schließen und die Bojen, die die Badezonen begrenzen, eingeholt wurden, eröffnen sich für uns Kitesurfer mehr und mehr Möglichkeiten, unserem Sport nachzugehen. Grundsätzlich ist Kiten überall auf Fehmarn möglich, solange wir uns außerhalb der Badesaison befinden (offizielle Badesaison ist vom 15.05. – 15.09.). Stehtiefe Reviere und kurze Wege sind im Winter Gold wert – den Körper so lange wie möglich vor der Session und so schnell wie möglich nach der Session wieder mit Wärme zu versorgen, ist enorm wichtig. Die Spots an der Orther Reede erfüllen diese Bedingungen perfekt. In Gold, Lemkenhafen oder auch in Gollendorf sind die Wege zum Parkplatz kurz und das Wasser stehtief. Im Fall eines Materialproblems auf dem Wasser freut man sich, festen Boden unter den Füßen zu haben. Gerade wenn die Alternative schwimmen in der 4 Grad kalten Ostsee ist.

Nach einer längeren Windflaute juckt es uns in den Fingern und wir wollen endlich mal wieder aufs Wasser. Achtet jedoch besonders im Winter darauf, nicht alleine an einem Spot zu sein. Das muss nicht zwingend ein zweiter Kitesurfer sein, aber jemand der vom Strand einen Blick auf euch hat und im Notfall eingreifen kann.

Der perfekte Insel-Winterspot hat also

  • kurze Wege vom Parkplatz zum Spot

  • stehtiefes Wasser

  • keine ausgewiesene Badezone

  • einen Kitebuddy – hat euch jemand im Blick?

Mein persönlicher Winter-Favorit ist übrigens der Südstrand bei starkem Südwest-Wind. Hier finde ich sowohl spiegelglattes Flachwasser, wie auch meterhohe Wellen direkt am südlichen Ende der Mole. Vielleicht sehen wir uns da ja demnächst – einen Kaffee habe ich ja immer dabei!

Teilt mir auch gerne über einen Kommentar mit, welches eure Lieblingsspots im Winter sind oder ob ihr noch besondere Tipps habt, um der Kälte zu trotzen!

 

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