© Rolf Kollenberg

Von Lakritzsteinen, Hühnergöttern und versteinerten Blitzen

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Rolf Oktober 2014
Hühnergötter auf Fehmarn
© Rolf Kollenberg

Was ist eigentlich ein Hühnergott? Das kann die diplomierte Geografin Beate Burow beantworten, die an Fehmarns Stränden geologische Wanderungen anbietet. Kurz gesagt sind Hühnergötter Steine mit einem natürlich entstandenen Loch in der Mitte. Sie zählen zu den Lieblings-Sammel-Objekten auf der Insel. Zur Herkunft ihres merkwürdigen Namens gibt es mehrere Geschichten. Fest steht, dass man die Steine früher in den Hühnerstall gehängt hat, um die Hühner zu beschützen. Tatsächlich ist es möglich, dass das Klappern der Steine die Füchse vertrieben hat. Eine andere Geschichte besagt, dass die Hühner den Kalk von den Steinen gepickt haben und so die Eierschale härter wurde.

Bei einer Strandwanderung mit Beate Burow hört man eine Vielzahl solcher kuriosen Anekdoten. Zum Beispiel auch die vom Donnerkeil, bei dem man früher dachte, es handele sich um einen versteinerten Blitz. Heute weiß man, dass diese länglichen Gebilde fossile Kopffüßer sind.

Viele Fundstücke haben sehr bildliche Namen: So gibt es Blutwurststeine und Haribo- oder Lakritzsteine. Letztere erwecken aufgrund ihres schwarzen Kernes, der von einer weißen Schicht umrundet ist, tatsächlich den Eindruck von Lakritzbonbons. Nebenbei bemerkt also noch eine gute Idee für ein Mitbringsel von Fehmarn, denn sie sind nahezu überall an den Naturstränden zu finden.

Steinexpertin Beate Burow beim Steinesammeln auf Fehmarn
© Ekkehart Eichler

 


Einen Großteil der Steine auf Fehmarn haben die Gletscher in der Eiszeit über weitere Stecken aus verschiedenen Gebieten Skandinaviens zu uns gebracht.

"Hier hat man also ganz Skandinavien unter den Füßen!"

 

Insgeheim hoffen wohl die meisten darauf, irgendwann auf einen versteinerten Seeigel, einen Klapperstein (ein Kieselschwamm von einem Feuerstein umgeben, beim Schütteln ähnlich einer Rassel) oder sogar einen Bernstein zu stoßen. Das Glück des Findens und die Spannung, was man noch alles entdecken könnte, machen den Zauber der geologischen Strandwanderungen aus.

Steinesammeln auf Fehmarn
© Rolf Kollenberg

 


Bei einem ausgedehnten Sonntagsspaziergang in der Region Westermarkelsdorf habe ich einmal einen besonders schönen und großen Klapperstein gefunden. Natürlich waren wir gerade weit
weg vom Parkplatz. Das Ding wiegt exakt 2323 Gramm, was mich allerdings nicht davon abhielt, es über eine halbe Stunde zum Fahrzeug zu tragen!

So viel Glück, wie vor kurzem eine Familie aus Oberbayern hatte, die ganz zufällig beim Sandburgen-Bau am Bojendorfer Strand einen 118 g schweren Bernstein fand, hat man nicht oft. Bernstein kommt auf Fehmarn eher selten vor. Für alle, die nicht wissen, ob sie einen Bernstein oder etwas anderes aufgetan haben, hat Beate Burow einige Tipps parat. Eine Überprüfungsmöglichkeit trägt der Bernstein schon im Namen: „Bernstein“ stammt vom mittelniederdeutschen „Brennstein“. Im Gegensatz zu anderen Steinen ließe sich der Bernstein also anzünden – aber wer möchte seinen Fund schon verbrennen?

Wenn man mit einem Bernstein mit Druck über Glas fährt, gibt es keine Kratzer – der manchmal ähnlich aussehende Feuerstein würde feine Rillen hinterlassen. Ein anderer Test ist die Schwimmprobe: in Salzwasser schwimmt der Bernstein oben, in normalem Leitungswasser sinkt er nach unten. Ein Feuerstein sinkt immer nach unten.

 

Nach einer geologischen Strandwanderung geht man mit anderen Augen durch die Welt: selbst auf einem schnöden Schotterweg kann man Fossilien entdecken, wenn man nur genau hinschaut.

Zum Schluss noch ein Tipp: Im Rathaus in Burg gibt es eine kleine, aber feine Gesteins-Ausstellung. Regelmäßig kann man hier auch seine Strandfunde bestimmen lassen.

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