Eric Beck
Eric Beck
Jule
Mai 2026

Wassersport auf Fehmarn - Kitesurfen, Wingfoilen oder Windsurfen?

Mich findet ihr auf Fehmarn meistens irgendwo auf dem Wasser – seit Jahren am Kite, immer auf der Suche nach dem nächsten guten Windtag. Angefangen hat bei mir aber alles etwas anders: mit einem Windsurfkurs in den Sommerferien zur Schulzeit. Damals noch mit viel Respekt vorm Wasser, ordentlich Muskelkater am nächsten Tag – aber auch diesem einen Moment, wenn man das erste Mal ein paar Meter übers Wasser gleitet und sich über seinen Erfolg freut. Ein paar Jahre später habe ich für mich das Kiten entdeckt und freue mich dieses Freiheitsgefühl auf der Ostsee genießen zu können.

Bis heute hat sich auf dem Wasser viel getan: Neben dem Wind- und Kitesurfen ist mit dem Wingfoilen noch eine ganz neue Sportart dazugekommen, die man mittlerweile überall auf Fehmarn sieht. Und genau das sorgt bei vielen für die gleiche Frage, die ich auch oft höre: Was soll ich eigentlich ausprobieren – Kitesurfen, Windsurfen oder Wingfoilen? 

Die gute Nachricht: Auf Fehmarn geht alles. Die bessere: Jedes dieser Erlebnisse unterscheidet sich komplett von dem anderen.

Ich möchte euch in diesem Artikel zeigen, wie sich die drei Sportarten voneinander unterscheiden, was sie auszeichnet und euch damit eine hilfreiche Orientierung geben, wenn ihr vor der Entscheidung steht, welche am besten zu euch und eurem Aufenthalt auf der Insel passt.

Die drei Sportarten

kurz erklärt

Kitesurfen – mein persönlicher Favorit

Ich weiß noch genau, wie ungewohnt sich Kiten am Anfang angefühlt hat – und wie schnell daraus dieses Freiheitsgefühl wurde, einfach übers Wasser getragen zu werden. Was Kiten für mich ausmacht, ist das Zusammenspiel aus Wind, Bewegung und Timing – wenn alles passt, fühlt es sich fast mühelos an. 

Bevor es allerdings aufs Board geht, startet beim Kiten fast immer alles mit einem Theorie-Teil. Und der ist auch wirklich wichtig. Man lernt, wie Wind funktioniert, wie sich der Kite im Windfenster verhält und wie alles zusammenhängt. Dazu kommt der Auf- und Abbau des Materials und wie man den Kite sicher startet und landet. Danach folgt die Flugschulung im flachen Wasser. Hier geht es darum, den Kite kontrolliert zu steuern, ihn ruhig in der Luft zu halten und ein Gefühl für die Kräfte zu entwickeln. Und dann kommt irgendwann dieser Moment, in dem man zum ersten Mal das Board unter den Füßen hat und sich vom Kite übers Wasser ziehen lässt – und ab da wird es richtig gut!

Was Kiten besonders macht: Die Kraft, die man nutzt, kommt von oben aus dem Wind. Dadurch fühlt sich alles etwas leichter, fast spielerisch an – auch wenn ordentlich Power dahintersteckt.

Typisch fürs Kitesurfen:

  • strukturierter Einstieg mit Theorie & Flugschulung
  • viel Dynamik und Geschwindigkeit
  • Feingefühl und Timing sind gefragt
  • ein riesiges Freiheitsgefühl, sobald man fährt

Windsurfen – ein super Einstieg in den Wassersport

Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Windsurfkurs – wackelig auf dem Brett stehen, das Segel aus dem Wasser ziehen und hoffen, dass es irgendwie funktioniert. Und dann dieser Moment, in dem man das Gleichgewicht findet und plötzlich ein paar Meter fährt.

Beim Windsurfen mag ich vor allem, wie direkt sich alles anfühlt – jede Bewegung überträgt sich sofort. Man hält das Segel in den Händen, spürt den Wind ganz unmittelbar und merkt schnell, wie sich kleine Bewegungen auswirken. Wenn alles zusammenpasst, fühlt sich das Fahren ruhig und kontrolliert an. Der Einstieg ist dabei vergleichsweise unkompliziert. Nach einer kurzen Einweisung geht es meist direkt aufs Wasser. Man lernt, wie man das Segel richtig hält, wie man auf dem Brett steht und wie man den Wind nutzt, um vorwärts zu kommen.
Die ersten Versuche sind oft noch etwas wackelig – aber genau das gehört dazu. Mit ein bisschen Übung wird man schnell sicherer, findet die Balance und bekommt ein Gefühl dafür, wie man das Board mit Hilfe des Segels steuert. Und genau das macht Windsurfen so angenehm: Die Fortschritte kommen relativ schnell und man kann sich recht früh selbst übers Wasser bewegen.

Was Windsurfen besonders macht: Alles passiert direkt vor einem. Man steuert mit dem eigenen Körper und dem Segel gleichzeitig – und bekommt sofort ein Gefühl dafür, wie es am Besten funktioniert.

Typisch fürs Windsurfen:

  • unkomplizierter, praxisnaher Einstieg
  • schnell erste Erfolgserlebnisse
  • viel Kontrolle und direktes Feedback
  • ideal, um ein Gefühl für Wind und Wasser zu entwickeln

Wingfoilen – leise, leicht und irgendwie besonders

Ich war am Anfang ehrlich gesagt ein bisschen skeptisch, als ich die ersten Wings auf dem Wasser gesehen habe. Aber als ich es selbst ausprobiert habe, war schnell klar: Das fühlt sich nochmal ganz anders an.

Was Wingfoilen für mich besonders macht, ist dieses ruhige, fast schwebende Gefühl. Man nimmt Fahrt auf – und irgendwann hebt sich das Board aus dem Wasser. Ab da wird es plötzlich leise, fast schwerelos, und man gleitet einfach dahin. Der Einstieg beginnt auch hier mit einer Theorie-Einheit: Wie hält man den Wing richtig? Wie nutzt man den Wind? Und wie balanciert man sich am Besten auf dem Board aus? Vieles ist schnell verständlich, gerade wenn man schon ein Gefühl für Wind hat. Eine Sache, die den Einstieg deutlich einfacher macht: Man startet in der Regel nicht direkt auf dem Foil. Stattdessen geht es erstmal auf ein großes, stabiles Board – ähnlich wie ein SUP. Dieses sogenannte „Wingsurfen“ hilft enorm, um sich an den Wing zu gewöhnen und ein Gefühl für die Bewegungen zu bekommen.

Erst danach kommt das Foil dazu – und damit auch die eigentliche Herausforderung. Das Gleichgewicht verändert sich und das Board reagiert sensibler auf jede kleinste Bewegung. Aber genau dieser Moment, in dem man zum ersten Mal abhebt, ist etwas ganz Besonderes. 

Was Wingfoilen besonders macht: Es ist eine Mischung aus Leichtigkeit, Technik und Gefühl – und fühlt sich oft ein bisschen wie die Zukunft des Wassersports an.

Typisch fürs Wingfoilen:

  • entspannter Einstieg über Wingsurfen (SUP-ähnliches Board)
  • Kombination aus Balance, Technik und Gefühl
  • etwas mehr Geduld beim Lernen erforderlich
  • einzigartiges, ruhiges Schwebegefühl

Die Unterschiede

Drei Wege aufs Wasser

Jetzt, wo man die drei Sportarten ein wenig kennengelernt hat, kommt der spannendste Teil: Wie unterscheiden sie sich – und was passt am Besten zu einem? Häufig werde ich gefragt, was „einfacher“ ist oder womit man anfangen sollte. Die ehrliche Antwort: Es kommt drauf an. Aber ein paar Unterschiede merkt man ziemlich schnell.

Einstieg & Lernkurve

Wenn man möglichst schnell aufs Board möchte, ist Windsurfen für mich immer noch der einfachste Einstieg. Man bekommt relativ schnell ein Gefühl dafür, wie man sich übers Wasser bewegt, und hat oft schon nach kurzer Zeit erste Erfolgserlebnisse. Kitesurfen dauert am Anfang etwas länger. Man beschäftigt sich erstmal viel mit dem Kite selbst, bevor es richtig aufs Board geht. Aber: Wenn dieser Schritt geschafft ist, geht es oft ziemlich schnell voran.

Wingfoilen empfinde ich persönlich als die größte Herausforderung. Der Einstieg über das große Board (Wingsurfen) ist zwar entspannt, aber sobald das Foil dazukommt, wird es deutlich anspruchsvoller. Balance, Timing und Gefühl müssen hier wirklich zusammenspielen – und das braucht einfach etwas mehr Geduld.

Gefühl auf dem Wasser

Das ist wahrscheinlich der größte Unterschied – und auch der, den man schwer beschreiben kann, wenn man es nicht ausprobiert hat. Windsurfen fühlt sich sicher und direkt an. Man hat alles direkt vor sich und merkt sofort, was passiert. Kiten ist meiner Meinung nach etwas freier und dynamischer. Die Kraft kommt von oben, und man bewegt sich anders über das Wasser. Wingfoilen ist ruhiger. Sobald man auf dem Foil ist, gleitet man fast lautlos dahin. Ich finde: Jede Sportart hat ihr eigenes „Gefühl“ – und genau das entscheidet am Ende oft. 

Material & Aufwand 

Auch nicht ganz unwichtig – gerade im Urlaub. Beim Kiten gibt es ein recht großes Setup: Kite aufpumpen, Leinen auslegen und sortieren, alles vorbereiten – das braucht ein bisschen Zeit und Platz. Windsurfen ist da etwas übersichtlicher. Das Material ist recht schnell aufgebaut, dafür sind Board und Segel oft etwas sperrig und nicht ganz so leicht zu tragen – gerade, wenn man ein Stück zum Wasser laufen muss.

Beim Wingfoilen kommt es ein bisschen darauf an, wie man unterwegs ist. Mit Schulungsmaterial oder auch wenn man zu Beginn noch mit dem SUP übt, ist es eher unkompliziert: Wing aufpumpen, Board nehmen und ab aufs Wasser. Wenn man eigenes Material nutzt oder schon am Foilen ist, sieht es meist etwas anders aus: Das Foil muss ans Board geschraubt und alles zusammengebaut werden – und vor allem: Das Ganze ist nicht gerade leicht zu tragen. Board plus Foil können schon ordentlich Gewicht haben.

Körper & Anstrengung

Das wird oft unterschätzt, gerade wenn man mehrere Tage am Stück aufs Wasser möchte.

Windsurfen ist körperlich durchaus fordernd, aber nicht nur auf die Arme begrenzt. Gerade am Anfang merkt man es vor allem im Rumpf, Rücken und in den Schultern, weil man das Segel aktiv stabilisieren und mit dem ganzen Körper ausgleichen muss. Es ist weniger reine Armkraft, sondern eher eine Mischung aus Körperspannung, Technik und Koordination.

Beim Kiten fühlt sich die Belastung oft gleichmäßiger an. Der Kite übernimmt viel der Zugkraft, sodass man sich gut auf seine Balance konzentrieren kann. Um keine Höhe zu verlieren, müssen die Beine jedoch aktive Arbeit leisten. Da der Kite mit dem Trapez verbunden ist, braucht es vor allem auch eine stabile Körperhaltung. Muskelkater gibt es also oft im Bauch und Rücken.

Wingfoilen liegt eher im Bereich Balance und Feingefühl. Man braucht weniger reine Kraft als beim Windsurfen, dafür aber durchgehend Kontrolle über Körperhaltung, Wing und Board. Gerade in der Lernphase ist das durchaus anstrengend, weil man ständig kleine Anpassungen macht und alles zusammenspielen muss. Nach einiger Zeit spürt man durchaus seine Unterarme vom Festhalten des Wings und die Beine durch das Halten der Balance.

Wind & Bedingungen

Die Bedingungen spielen bei allen drei Sportarten eine große Rolle – und gerade hier merkt man auf Fehmarn schnell, dass Wind nicht gleich Wind ist.

Wichtig ist zum Beispiel die Windrichtung. Ablandiger Wind (vom Land aufs Meer) ist für alle drei Sportarten problematisch, weil man im Zweifel vom Ufer weggetrieben wird und es schwieriger ist, wieder zurückzukommen. Deshalb wird meistens nur bei seitlichem bis auflandigem Wind aufs Wasser gegangen. Auch die Windstärke selbst ist entscheidend. 

Windsurfen kann schon bei relativ wenig Wind funktionieren, macht aber bei moderatem Wind am meisten Spaß. Zum Kitesurfen braucht es in der Regel etwas mehr Wind, damit der Kite stabil fliegt und genug Zug entwickeln kann. Natürlich kann man durch verschiedene Kite-Größen auch einen umfangreichen Bereich abdecken. Wingfoilen ist besonders spannend, weil es auch bei weniger Wind noch möglich ist – sobald man mit dem Foil aus dem Wasser hebt, fährt es sich auch bei Leichtwind gut. Einen gewissen Grundzug im Wing braucht es jedoch, um gut aus dem Wasser zu kommen.

Ein weiterer Punkt ist der Platz auf dem Wasser. Beim Kiten braucht man natürlich etwas mehr Platz und Abstand zu anderen - nicht nur auf dem Wasser sondern auch beim Starten und Landen. Beim Windsurfen und auch Wingfoilen ist man etwas kompakter unterwegs. Natürlich ist ein angemessener Abstand zu anderen bei allen drei Sportarten ratsam. 

Und dann gibt es noch die Wellen- und Wasserbedingungen: Flaches, ruhiges Wasser ist für Anfänger ideal, weil man mehr Kontrolle und Halt am Boden hat. Ist man schon mit dem Foil unterwegs muss es mindestens Hüfttief sein, damit man nicht am Grund aufsetzt. Auch bei kabbeligem Wasser oder Wellen kann es schnell anspruchsvoller werden – besonders beim Wingfoilen, da das Foil sehr sensibel reagiert.

Fazit – was passt am Besten?

Wenn ich heute nochmal ganz am Anfang stehen würde und mich entscheiden müsste, würde ich mir vor allem eine Frage stellen: Wie viel Zeit habe ich – und was erwarte ich von meinem Erlebnis auf dem Wasser? Denn genau das macht am Ende oft den Unterschied.

Wenn man nur ein paar Tage auf der Insel ist und möglichst schnell aufs Board möchte, ist Windsurfen aus meiner Sicht die entspannteste Wahl. Die Basics lassen sich oft schon an ein, zwei Tagen lernen, und man hat relativ schnell einen Erfolg auf dem Wasser. Kiten braucht etwas mehr Zeit und Geduld am Anfang. Hier sollte man eher zwei bis vier Tage einplanen, bis man die ersten richtigen Meter auf dem Wasser macht. Dafür ist das Gefühl wenn man fahren kann umso schöner und sehr dynamisch – und für viele lohnt sich genau dieser Weg. Wingfoilen ist für mich die größte Herausforderung. Der Einstieg über das große Board geht zwar schnell, aber bis man wirklich sicher auf dem Foil unterwegs ist, dauert es meist etwas länger. Das Gefühl, über dem Wasser zu schweben, ist dafür aber wirklich einzigartig. 

Am Ende ist es ganz einfach: Es gibt hier keine richtige oder falsche Entscheidung.

Fehmarn bietet einem die perfekten Bedingungen, um alles auszuprobieren. Bei vielen Schulen gibt es die Möglichkeit eines Schnupperkurses, bei dem man ohne großen Aufwand testen kann, was sich für einen persönlich am Besten anfühlt. Am Ende ist entscheidend, was einem am meisten Spaß macht – und was einem ein breites Grinsen ins Gesicht zaubert, wenn man vom Wasser kommt. Ich bin gespannt, welche der drei Sportarten das bei euch sein wird.

Eure Jule